Wer kontrolliert die digitale Zukunft? Vortrag und Gespräch mit Dr. Dorothea Winter
18:00 Uhr
Hegel-Haus
Wer an die Gefahren Künstlicher Intelligenz denkt, hat meist Bilder totaler Überwachung vor Augen, wie George Orwell sie entworfen hat. Dorothea Winter lenkt den Blick auf eine leisere, dafür wirkmächtigere Entwicklung: Wenige Tech-Konzerne eignen sich die Daten von Milliarden Menschen an und verwandeln sie in Vorhersagen über unser künftiges Verhalten, die sich gewinnbringend vermarkten lassen. In ihrem soeben bei Reclam erschienenen Band Künstliche Intelligenz und Demokratie beschreibt sie diesen Vorgang als KI-Neokolonialismus, weil er dem Muster kolonialer Landnahme folgt — wobei an die Stelle von Territorien unsere Erfahrungen, Vorlieben und Beziehungen treten.
Wo Entscheidungen in undurchschaubaren Systemen verschwinden, lässt sich am Ende niemand mehr zur Verantwortung ziehen — ein Zustand, den Hannah Arendt als „Herrschaft des Niemand“ beschrieben hat. Dem setzt Winter ihr Plädoyer für epistemische Mündigkeit entgegen: die Fähigkeit, zu prüfen, woher unser Wissen stammt, wer unsere Aufmerksamkeit lenkt und welches ökonomische Kalkül hinter scheinbar neutraler Technik steht.
Die Veranstaltung erläutert diese Begriffe allgemeinverständlich, gibt Denkanstöße für den eigenen Umgang mit einer zunehmend algorithmisch geprägten Welt — und stellt sie in den systematischen Hintergrund.
Dr. Dorothea Winter vertritt aktuell die Professur „Ethik der Künstlichen Intelligenz“ an der Universität Osnabrück. Zuvor war sie an der Humanistischen Hochschule Berlin, dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Ethik, Demokratietheorie und Erkenntnistheorie — stets mit Bezug zu KI und digitaler Transformation.
Die Veranstaltung wrid moderiert von Natalie Voss
Eintritt frei, first come first served